Energiekonzept 2050 am Energiekongress 2026
20 Jahre Energiekonzept 2050 der Stadt St.Gallen: Das war auch am Energiekongress vom 13. Mai 2026 ein Thema. Auf der Bühne diskutierten Stadtrat Peter Jans, alt Stadtrat Fredy Brunner und Dienststellenleiterin Karin Hungerbühler über die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des wegweisenden Konzepts.
Sieht sich Fredy Brunner als Vater des städtischen Energiekonzepts 2050? Er war bei der Lancierung im Jahr 2006 Stadtrat und Direktor der Technischen Betriebe. Aber nein, als Vater würde er sich nicht bezeichnen, sagte Fredy Brunner auf die Einstiegsfrage von Moderator Christian Eisenhut (Energieagentur St.Gallen). «Es war ein Miteinander – mit vielen wertvollen Diskussionen», so Brunner. Als FDP-Stadtrat habe er sich insbesondere dafür eingesetzt, dass auch die Wirtschaft einbezogen wurde.
Daten als Schlüssel zum Erfolg
Eine Grundlage sei bei der Entwicklung des Energiekonzepts 2050 zentral gewesen, sagte Karin Hungerbühler, Co-Leiterin der städtischen Dienststelle Umwelt und Energie: umfassende Daten. «Damit konnten wir Szenarien entwickeln, Zusammenhänge aufzeigen und die Wirkung der Massnahmen kontrollieren.» Durch die mehrfache Erweiterung des Energiekonzepts 2050 wurden Zusammenhänge noch wichtiger. Darauf wies Stadtrat Peter Jans hin. Denn mit den Bereichen Wärme, Strom, Mobilität sowie Konsum und Ressourcen sei das Energiekonzept 2050 sehr umfassend. «Berücksichtigt man die Zusammenhänge, lassen sich Synergien nutzen», so Jans.
Reagieren auf äussere Einflüsse
Ein eingeblendeter Zeitstrahl führte den mehr als 600 Teilnehmenden des Energiekongresses 2026 vor Augen, dass auch äussere Faktoren die stetige Weiterentwicklung des Energiekonzepts 2050 prägten (siehe Bild): die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011, das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Zur 20-jährigen Geschichte des Energiekonzepts gehört auch die Geothermiebohrung im Sittertal. Angesprochen auf die dadurch ausgelösten Erdstösse, die im Jahr 2013 für Schlagzeilen sorgten, erklärte Fredy Brunner: «Von den damals über 100 Massnahmen des Energiekonzepts 2050 hatte die Geothermie am meisten Potenzial.»
Klimaschutz – eine gemeinsame Aufgabe
Im Talk auf der Energiekongress-Bühne kam auch der jüngste Meilenstein zur Sprache: die Ergänzung des Energiekonzepts 2050 um den Bereich Konsum und Ressourcen sowie die damit verbundene Lancierung der Kampagne «Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral». Sie soll deutlich machen, dass das gemeinsam beschlossene Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nur erreicht werden kann, wenn neben der Stadtverwaltung und der Politik auch die Wirtschaft und die Gesellschaft ihre Beiträge leisten. Dabei ist eine weitere Errungenschaft des Energiekonzepts 2050 laut Peter Jans äusserst wertvoll: der städtische Energiefonds. Dass Massnahmen zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch einen Zuschlag auf die Strompreise finanziert werden können, habe einen «riesigen Nutzen».
«Ausstrahlung weit über die Stadtgrenzen hinaus»
In einer kurzen Umfrage nach der Gesprächsrunde zeigten sich viele Teilnehmende der grössten Ostschweizer Energieveranstaltung beeindruckt: Das Energiekonzept 2050 sei vorbildlich für andere Städte und Gemeinden. Marco Zahner, als Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen Gastgeber des Energiekongresses 2026, würdigte das Konzept so: «Das Energiekonzept 2050 der Stadt St.Gallen ist weit mehr als ein lokaler Fahrplan – es zeigt beispielhaft, wie Städte den Übergang zu einer klimaneutralen und zugleich wirtschaftlich starken Zukunft aktiv gestalten können. Besonders wertvoll ist dabei der ganzheitliche Ansatz, der Energie, Innovation, Lebensqualität und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet – mit Ausstrahlung weit über die Stadtgrenzen hinaus.»
