Pumpipumpe in St.Gallen: Wenn Teilen den Alltag verändert

In St.Gallen gibt es inzwischen viele Briefkastensymbole auf der Pumpipumpe-Karte, und jedes einzelne steht für einen Haushalt, der sich bewusst gegen unnötigen Besitz und für eine gemeinsame Nutzung von Alltagsgegenständen entscheidet. Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitprojekts für das Seminar an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG) in Rorschach greifen drei Studentinnen diesen Gedanken auf und untersuchen, wie solche Formen des Teilens in der unmittelbaren Nachbarschaft sichtbar gemacht und gestärkt werden können.

In diesem Artikel widmen sich die Studentinnen dem urbanen Teilen, denn es ist niedrigschwellig, praktisch und zeigt sehr konkret, wie lokale Gemeinschaften zum Klimaschutz beitragen können.

Wie funktioniert Pumpipumpe?

Die Grundidee ist simpel: Viele Gegenstände, wie Bohrmaschinen, Racletteöfen, Velopumpen, Backformen, liegen die meiste Zeit ungenutzt in Schränken oder Kellern. Gleichzeitig brauchen Nachbarinnen und Nachbarn diese Dinge immer wieder einmal. Pumpipumpe sorgt dafür, dass dieses schlummernde Potenzial sichtbar wird. 

Dafür gibt es die unten abgebildeten Sticker, die man auf den eigenen Briefkasten klebt. Sie zeigen an, welche Gegenstände man gerne verleiht. Die Sticker sind bewusst analog gehalten: Der Briefkasten wird zum Begegnungsort, an dem man täglich vorbeikommt und vielleicht sogar auch ins Gespräch kommt.

Wer möchte, kann den eigenen Briefkasten zusätzlich auf der Online-Map neues Fenster eintragen (Screenshot oben). In einzelnen St.Galler Quartieren finden sich Cluster aus mehreren Haushalten, die miteinander teilen. Über die Map kann man sich auch direkt austauschen, nachfragen oder eigene Angebote ergänzen. 

Warum das fürs Klima relevant ist

Teilen bedeutet vor allem: weniger produzieren, weniger kaufen, weniger entsorgen. Jede Bohrmaschine, die nicht neu gekauft werden muss, spart Ressourcen, Energie und Transportwege. Gleichzeitig unterstützt das Prinzip ein anderes Verständnis von Konsum: nicht alles besitzen zu müssen, sondern innerhalb einer Nachbarschaft solidarisch mit Dingen umzugehen. 

Das klingt klein, aber im Alltag macht es einen Unterschied. Ein Mehrfamilienhaus braucht nicht zehn Staubsauger oder fünf Fonduerechauds. Und wenn weniger Wohnraum mit selten genutzten Dingen vollgestellt ist, profitieren letztlich auch Lebensqualität und Geldbeutel. 

Mitmachen ist wirklich einfach 

Genau das macht Pumpipumpe so attraktiv: Es fügt sich problemlos in den Alltag ein. Sticker bestellen, aufkleben, mit Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch kommen und vielleicht entdecken, dass auch andere Dinge teilen möchten, die man selbst nur ab und zu braucht. 

In St.Gallen sieht man die Sticker inzwischen an Briefkästen in der Innenstadt, in St.Fiden, Bruggen und auch Richtung Riethüsli und Winkeln. Oft hängen sie zwischen Klingelschildern mit handgeschriebenen Namen, ein kleines visuelles Signal dafür, dass Menschen hier miteinander teilen wollen. 

Text: Gabriela Budzyk, Laureta Osmani, Sonja Smit, Studentinnen PHSG