«Die Projektschmiede ist für alle eine sehr spannende Erfahrung»

Auf dem Weg von der guten Idee zum erfolgreichen Projekt können Inputs von Aussenstehenden Gold wert sein. Genau darum geht es in der Projektschmiede St.Gallen. Die Stadt St.Gallen bietet diese Workshopreihe in Zusammenarbeit mit dem Verein OstSinn an, um Projekte im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz voranzutreiben. Zum Beispiel die Erstellung eines Stadtplans, auf dem Angebote für den nachhaltigen Umgang mit Textilien eingezeichnet sind. Mit diesem Projekt nahm Denise Hofer vom Materialmarkt OFFCUT an der Projektschmiede teil. Im Interview erklärt sie, wie es funktioniert und was es bringt.

Denise Hofer, noch ist euer Textil-Stadtplan nicht veröffentlicht, aber das Projekt hat sich seit deiner Teilnahme an der Projektschmiede vom April 2025 weiterentwickelt. Wie viel Projektschmiede steckt denn nun in diesem Projekt?

Einiges! Vor allem im technischen Bereich, bei der Erfassung und Verarbeitung von Daten. Erst durch die Diskussion in der Projektschmiede wurde mir bewusst, dass dieser Punkt zentral ist für unser Projekt – und ich erhielt auch gleich wertvolle Tipps dazu. Weiter erhielt ich viele Hinweise darauf, welche Organisationen und Personen unser Projekt unterstützen könnten.

Damit Aussenstehende über ein Projekt diskutieren und Inputs geben können, brauchen sie logischerweise zunächst Informationen dazu. Was hattest du abgesehen von einer kurzen Projektbeschreibung für die Projektschmiede vorbereitet?

Wichtig war, mit einer konkreten Fragestellung in die Runde zu gehen. OstSinn hat uns dabei unterstützt, uns auf einen Aspekt zu fokussieren.

Und wie lautete eure konkrete Frage?

Wir möchten einen St.Galler Stadtplan entwickeln, auf dem alle Angebote rund um den nachhaltigen Umgang mit Textilien eingezeichnet sind, zum Beispiel Nähateliers und Schneidereien – insbesondere auch Kleinstbetriebe, die man bis anhin nicht übers Internet findet. Unsere Fragestellung für die Projektschmiede lautete: Wie bekommen wir für die Textil-Stadtkarte eine vollständige Datengrundlage und wie motivieren wir Menschen, uns Angaben zu machen?

Die Projektschmiede ist ein bewährtes Workshopformat mit klarem Ablauf und Moderation. Wie läuft das ab?

Die Teilnehmenden, bei uns waren es rund zwanzig, werden auf drei Projekte aufgeteilt. Dann gibt es drei Runden. In der ersten Runde wird das Projekt vorgestellt, dann wechselt die Gruppe zu einem anderen Projekt und damit zu einem komplett anderen Thema. In der dritten Runde kommt man zurück zum ersten Projekt und arbeitet weiter daran. Diesen Themenwechsel empfand ich als sehr hilfreich, er hat uns weitergebracht.

Was war für euch der grösste Nutzen der Projektschmiede?

Einerseits hat schon die Vorbereitung sehr viel gebracht. Die Fokussierung auf eine konkrete Fragestellung hat uns dazu gezwungen, einzelne Aspekte des Projekts ganz genau anzuschauen und zu hinterfragen. Das ist enorm wertvoll, kommt im Alltag aber zu kurz, weil die Zeit dafür fehlt und viele Projekte parallel laufen. Andererseits haben wir ganz neue Inputs aus vielen verschieden Perspektiven erhalten – zum Beispiel auch dazu, welche Ansprüche die Teilnehmenden als Nutzerinnen und Nutzer des Textil-Stadtplans hätten und ob er digital, gedruckt oder in mehreren Formaten veröffentlicht werden soll. Aus der Diskussion ergaben sich auch immer wieder neue Fragen, die dann sogleich besprochen wurden. Wer einen Input bringt, schreibt ein Stichwort dazu auf ein Post-it und klebt es auf ein Plakat. Dieses darf man als Projektbringende dann mitnehmen und für die Weiterbearbeitung nutzen.

Für welche Art von Fragestellungen würdest du die Projektschmiede empfehlen?

Aus meiner Sicht kann die Projektschmiede in diversen Stadien eines Projekts hilfreich sein, also nicht nur in der Anfangsphase, sondern auch bei der Weiterentwicklung. Wer eine ganz konkrete Fragestellung hat und sich dazu Inputs eines bunt gemischten Teilnehmendenkreises wünscht, findet in der Projektschmiede das passende Format.

Und was macht die Projektschmiede für Teilnehmende, die kein eigenes Projekt einbringen, spannend?

In dieser Rolle war ich noch nicht dabei, aber ich habe festgestellt, dass die Projektschmiede für alle Teilnehmenden eine sehr spannende Erfahrung ist. Man erhält einen direkten Einblick in aktuelle Projekte, kann etwas zu deren Erfolg beitragen und die eigenen Erfahrungen, Kenntnisse und Ansichten einbringen – ohne Scheu oder Angst vor Kritik, denn gerade diese unterschiedlichen Inputs machen die Projektschmiede so wertvoll.

 

Nächste Projektschmiede

Die nächste Projektschmiede im Rahmen von «Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral» findet am Samstag, 14. Februar 2026, um 10.30 Uhr im Benevolpark St.Gallen statt. Weitere Informationen und Anmeldung neues Fenster