Windpark in St.Gallen: Gedankenspiel liefert Erkenntnisse für die Praxis

Wenn am Rand der Stadt St.Gallen ein Windpark «Petra und Paula» geplant wäre: Wie würdest du abstimmen? In einer Studie der Universität St.Gallen haben drei Viertel der Teilnehmenden angegeben, dass sie an der Urne ein Ja einlegen würden. Der Windpark ist zwar nur ein Gedankenspiel, doch dieses liefert wichtige Erkenntnisse rund um die Akzeptanz von Windkraftanlagen.

Mit der Studie haben Forschende des Institute of Responsible Innovation, Sustainabilty and Energy (RISE-HSG) untersucht, welche Faktoren die Akzeptanz eines hypothetischen Windparks in der Region St.Gallen beeinflussen. Dazu wurden 322 Personen (repräsentativ nach Alter und Geschlecht) befragt, die im Umkreis von 10 Kilometer um den St.Gallen Wildpark Peter und Paul wohnen.

Stell dir vor: ein Windpark beim Wildpark

Ihnen wurde zunächst das frei erfundene Windparkprojekt «Petra und Paula» vorgestellt – mit einem bis drei Windrädern, die in der Nähe des Wildparks geplant wären. Dazu wurde eine Fotomontage vorgelegt. Weiter sollten sich die Teilnehmenden vorstellen, dieses Projekt käme zur Abstimmung. «Würden Sie dieses Projekt annehmen?» 45,3 Prozent sagten «Ja», 30,1 Prozent «eher Ja». In der Stadt St.Gallen war die Zustimmung noch deutlicher – 52 Prozent «Ja», weitere 28 Prozent «eher Ja».

«Überproportional viel Aufmerksamkeit» für Gegnerschaft

Weiter wurden die Teilnehmenden zu ihren Gefühlen beim Anblick der Fotomontage befragt. Dabei zeigte sich laut Studienleiterin Martina Rothenberger, dass die 11-Prozent-Minderheit, die den Windpark klar ablehnen würde, deutlich stärkere Gefühle ausdrücken und dadurch überproportional viel Aufmerksamkeit erhalten würde. Daraus zog die St.Galler Regierungsrätin Susanne Hartmann an der Medienorientierung zur Studie den Schluss, dass die Befürwortenden ihre Zurückhaltung ablegen müssten: «In einem konkreten Fall brauchen wir eine lautere Mehrheit.»

Regionaler Windstrom wäre willkommen

Dass der hypothetische Windpark in der Studie so breite Zustimmung erhielt, sei erfreulich, die Studie leiste einen wichtigen Beitrag zur sachlichen Einordnung, sagte Susanne Hartmann. Der St.Galler Stadtrat Peter Jans sprach von einem «Lichtblick», der Hoffnung gebe, dass der Stadtsanktgaller Strommix dereinst einmal regionalen Windstrom enthalte. Schon heute würden die St.Galler Stadtwerke im Sinne des Energiekonzepts 2050 Windstrom beziehen, doch dieser stamme grösstenteils aus dem Ausland.

Die Studie der Universität St.Gallen zeigt auch auf, wie sich die Akzeptanz eines Windparkprojekts noch erhöhen liesse – unter anderem indem Turbinen aus Europa und nachhaltige Materialien verwendet und regional verankerte Akteure in die Trägerschaft einbezogen werden.

 

Bild: HOLOR/Pixabay

 

Text: Tobias Fischer-Künzler, Stadt St.Gallen