Kreislaufwirtschaft: Forum animiert zum Handeln
Am «Forum zur Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft» trafen sich am Mittwoch, 22. April 2026, im HSG Square 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Industrie, Handel, Politik und Forschung. Ihr gemeinsames Ziel: die Kreislaufwirtschaft in die Praxis bringen, gemeinsam ins Handeln kommen. Mitorganisiert wurde die Circular Lab Konferenz vom IOL Institut für Organisation und Leadership der OST – Ostschweizer Fachhochschule.
Den Auftakt machten Prof. Dr. Karolin Frankenberger, Dean der Executive School HSG und Mitinitiantin des Circular Lab, und Prof. Dr. Oliver Christ vom IOL Institut für Organisation und Leadership der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Sie zeigten, warum Kreislaufwirtschaft heute wichtig ist. Frankenberger sprach über neue Geschäftsmodelle und Zusammenarbeit und plädierte «für eine langfristig resiliente und überlebensfähige Wirtschaft». Christ betonte die Bedeutung von regionaler Wertschöpfung und Kooperation über Branchen hinweg. Er erinnerte daran, dass bereits sieben der neun planetaren Grenzen überschritten seien. «Es braucht eine Land- und Ernährungswirtschaft, welche die Natur stärkt und nicht schwächt», sagte Christ.
In den ersten Beiträgen wurde es konkret: Bio-Gemüsebauer Simon Vetter (Vetterhof, Lustenau) zeigte, wie Kreisläufe in der Natur funktionieren und was die Landwirtschaft davon lernen kann. «Nachhaltige Lösungen kommen in 50 shades of green», sagte Vetter und erinnerte daran, dass unser gesamtes Überleben von fünf Zentimeter Erdkruste abhängt. Dr. Fabian Takacs, Co-Leiter des Circular Lab und Postdoc Researcher an der Universität St.Gallen, erklärte, wie diese Prinzipien in Unternehmen umgesetzt werden können. «Es braucht neue Geschäftsmodellinnovationen, die sich an der Kreislaufwirtschaft orientieren und die zerstörerischen linearen ‘Take-Make-Use-Waste’-Systeme verlassen», sagte Takacs, der zu diesem Thema eben ein Buch veröffentlichte («Der Circular Economy Navigator», Hanser-Verlag).
Problem erkannt, aber noch nicht auf Kurs
Auch Handel und Industrie brachten ihre Sicht ein. Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, beschrieb die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vor vier Jahren wurde eine branchenübergreifende Lösung vereinbart, mit dem Ziel, bis 2030 die Lebensmittelverluste gegenüber 2017 um 50 Prozent zu verringern. Dank solider Datengrundlage und einer Vielzahl von Massnahmen konnten im Detailhandel bereits rund 20 Prozent eingespart werden. Christopher Rohrer, Leiter Direktion Nachhaltigkeit & Wirtschaftspolitik der Migros-Gruppe, sprach über die gemeinsame Verantwortung entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Er erinnerte daran, dass die Konsumentinnen und Konsumenten in der Mitverantwortung stünden, da rund zwei Drittel als Präferenzverluste anfielen.
Wertschöpfungskette im Geschäftsmodell berücksichtigen
Beni Dürr, Gründer und Eigentümer der Verdunova AG in Sennwald, zeigte Beispiele aus der Praxis, während Urs Riedener, CEO der Emmi Group, die Rolle grosser Unternehmen betonte. «Wir müssen Nachhaltigkeit als Wert definieren, denn über Werte wird nicht verhandelt», sagte Dürr und Riedener ergänzte, dass «Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil eines verantwortungsbewussten Geschäftsmodells» sein müsse.
Aus der Politik kamen weitere Impulse: Nationalrat Mike Egger (SVP/SG) forderte praktikable Lösungen, die wirtschaftlich funktionieren. Er kritisierte den «politischen Übereifer» bei der Regulierung. Nationalrat Hasan Candan (SP/LU) betonte die ökologische und soziale Verantwortung – insbesondere bei der Subventionspolitik: «Es gibt 160 Subventionen, die die Biodiversität schädigen.» Alleine in der Landwirtschaft werde dabei ein Schaden von 7,68 Milliarden Franken pro Jahr angerichtet, den die Allgemeinheit trage.
Neue Ideen und Fragen
Am Nachmittag wurde gemeinsam gearbeitet. In Themenräumen diskutierten Fachleute wie Cordula Kreidl (MitMach Region Vorarlberg-Alpenrhein) und Götz Feeser (Presencing Institute) über die Grundlagen eines nachhaltigen Wirtschaftens. Ursina Krähenmann (foodwaste.ch) und Claudio Beretta (ZHAW) zeigten Wege zur Reduktion von Food Waste. Fabian Takacs (Circular Lab HSG) und Steffen Finck (Circular Lab FH Vorarlberg) öffneten den Raum für neue Ideen und Fragen.
Parallel dazu zeigten Unternehmen konkrete Lösungen: David Schmidmayr (Better Plants), Daniel Podmirseg (vertical farming institute), William Beiskjaer (UpGrain), Doris Erne (Wheycation) und Aline von Jüchen (Circunis) gaben Einblicke in ihre Arbeit.
Durch den Tag führte David Kübler, Dozent für Marketing und Kommunikation an der ZHAW. Er verband die verschiedenen Beiträge und stellte immer wieder die zentrale Frage: Wie kommen wir ins Handeln?
Zusammenarbeit macht Kreislaufwirtschaft möglich
Zum Abschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam auf dem Podium – darunter Oliver Christ (OST), Carole Küng (Sustainable Development Solutions Networks Schweiz), Simon Vetter (Vetterhof), Urs Riedener (Emmi Group), Patrick Erny (Swiss Retail Federation), Meret Schneider (GRÜNE/ZH) und Mike Egger (SVP/SG). Die Botschaft war klar: Lösungen gibt es viele. Jetzt geht es darum, sie gemeinsam umzusetzen. Der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist möglich – wenn alle zusammenarbeiten und ideologische Gräben überspringen. Doch spätestens beim Thema Einkauf war es mit der Einigkeit vorbei. Patrick Erny argumentierte, die Konsumierenden wüssten, was sie wollen, der Retail dürfe nicht als Erzieher auftreten. Meret Schneider konterte, der Detailhandel fungiere bereits als Erzieher, indem er mit Aktionen (Erdbeeren im Winter, Spargeln im Februar) Anreize für den Konsum setze.
