Studierende entwickeln eine Flugabgabe für die Universität St.Gallen

Studierende der Universität St.Gallen möchten mit einer Flugabgabe das Reisverhalten ihrer Universität in klimafreundlichere Bahnen lenken. Das Prinzip ist einfach: Universitätsangestellte, die für Berufsreisen das Flugzeug wählen, müssen zusätzlich eine pauschale Flugabgabe zahlen. Die Einnahmen der Lenkungsabgabe sollen zur Finanzierung von Interrail Pässen für Studierende oder kostenlose Klassenwechsel für die Bahn genutzt werden.

Inspiriert vom EU-Emissionshandel hat eine studentische Gruppe der Universität St.Gallen ein betriebsinternes Emissionshandelssystem mittels einer Flugabgabe für die Universität St.Gallen entwickelt. Dafür hat die Gruppe ein Preismodell erstellt, welches die Bepreisung der Treibhausgasemissionen pauschal pro Flug festlegt. Zur praktischen Umsetzung erarbeitete das Team zudem einen Leitfaden und eine Web-App. Auf dieser werden sowohl die verursachten Emissionen als auch die daraus generierten Einnahmen, die in einen gemeinsamen Topf fliessen, kontinuierlich aktualisiert und transparent dargestellt. Einerseits sollen damit InterRail-Pässe für Studierende, die ins Austauschsemester fahren, offeriert werden. Andererseits sollen die Mitarbeitenden, die sich bei der Berufsreise für den Zug statt das Flugzeug entscheiden, ein Klassenwechsel finanziert werden.

Ein Projekt mit Potenzial

«Flugemissionen zu vermeiden, ist eine echte Herausforderung für alle Universitäten», erklärt David Boivin (PhD), der Klimabeauftragte der Universität St.Gallen. Wissenschaftliche Institutionen bewegen sich nämlich oft im Spannungsfeld zwischen Klimaschutzbemühungen und logistischen und bürokratischen Hürden. «Das Projekt der Studierenden setzt genau hier an und liefert realistische Lösungsansätze», so Boivin.

Peggy van der Wallen, Leiterin der studentischen Mobilität an der Universität St.Gallen, ist dem Projekt ebenfalls sehr positiv gestimmt: «Die HSG ist bekannt für ihre Austauschsemester. Rund 50 Prozent aller Studierenden absolvieren ein Austauschsemester während ihrer Studienzeit an der Universität St.Gallen. Dafür wäre ein kostenloser Interrail-Pass sehr attraktiv. Die 100 Franken, die das SEMP-Stipendium bisher speziell für Zugreisen zur Verfügung stellt, reichen meist nicht aus.»

Die gute Idee ist da, die Umsetzung steht noch bevor. Damit sie klappt, müssen die Studierenden einiges beachten. «Die Umsetzung muss für die Forschungsinstitute simpel und zumutbar sein», sagt Rolf Wüstenhagen, Professor für das Management erneuerbarer Energien. «Die Flugabgabe darf auf keinen Fall einen zusätzlichen administrativen Aufwand für die Institute verursachen oder zu hoch sein. Zur Einführung muss das Modell möglichst simpel und zumutbar sein. Wenn es dann einmal etabliert ist, kann schrittweise mehr Komplexität und Wirksamkeit eingeführt werden.» Die Studierenden haben sich dies zu Herzen genommen, indem sie die Emissionen fürs Erste nur pauschal bepreisen, mit einem Preis, der für die Institute finanziell tragbar wäre. Das haben sie anhand der Daten der letzten sechs Jahr überprüft.

Die Projektgruppe hat Grosses vor

Die Web-App und der Leitfaden sind fertig. «Damit haben wir ein solides Fundament gelegt für die nächste studentische Gruppe, die unser Projekt ‹Carbon Pricing @ HSG› weiterführt», erklärt Stefan Kaspar. Die nächste Gruppe soll mit einem Pilotversuch starten, um die letzten Stellschrauben für das Modell noch anzuziehen.

Die Zukunftsvision der Projektgruppe ist ambitioniert: Bis im Jahr 2027 soll bei allen Instituten der Universität St.Gallen die Flugabgabe bereits etabliert sein. Die Projektgruppe erhofft sich, dass ihre Universität damit zur Pionierin des betriebsinternen Emissionshandels in der Schweiz wird und andere Universitäten zum gleichen Schritt inspiriert.

Teil einer grösseren Initiative

«Carbon Pricing @ HSG» ist eines von sechs Projekten, die Studierende im Rahmen des Masterzertifikats Managing Climate Solutions (MaCS-HSG) umsetzen. Die Stadt St.Gallen unterstützt diese Projekte im Rahmen der Kampagne «Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral». Darunter «Zügig id Ferie» neues Fenster, eine Onlineplattform, die St.Gallerinnen und St.Gallern das umweltfreundliche Reisen erleichtern soll. Oder der «Climate Sprint», ein Sportevent, der auf den Klimawandel aufmerksam macht.

Das NextGen Impact Forum neues Fenster im Square an der Universität St.Gallen, welches ebenfalls von Gemeinsam wirkt unterstützt wurde, bot den Studierenden des «Carbon Pricing @ HSG» die Möglichkeit ihr Projekt vorzustellen.

Text: Linda Zsindely